Benjamin Böhm startet 2000 bei der Heindl Internet AG. Seit 2013 leitet er das Unternehmen und hat schon viele Trends und Innovationen kommen und gehen gesehen.
Darüber und warum die KI für Unternehmen eine Zeitenwende bedeutet und wie sich das auf die Außendarstellung, aber auch auf die Kultur von Unternehmen aus der Region Neckar-Alb auswirkt hat er im Interview ausgeführt.
Das ganze Interview finden Sie auch auf spotify.
Das Interview wurde Juli 2026 geführt von Rebecca und René Lesiewicz.
0:11 Einstieg und Hintergrund
2:33 Vom Programmierer zum Vorstand
6:38 Internet als Geschäftsmodell
7:14 Warum Marketing zählt
12:26 Webseiten kundenorientiert denken
15:32 KI als neue Herausforderung
17:21 Mittelstand und Zukunft
21:06 Neugierig bleiben und dranbleiben
Rebecca Lesiewicz:
[0:06] Herzlich Willkommen bei Lesiewicz spricht mit, der Podcast für den Mittelstand.
Rebecca Lesiewicz:
[0:11] Ich bin Rebecca Lesiewicz und gemeinsam mit meinem Ehemann und Geschäftspartner René Lesiewicz sprechen wir mit Menschen, die den Mittelstand bewegen. Heute sprechen wir mit Benjamin Böhm über seine Rolle als Vorstand bei der Heindl Internet AG und über das Themenfeld Online-Marketing. Hallo Benjamin.
Benjamin Böhm:
[0:35] Hi, Rebecca, grüß dich. Hi, René.
René Lesiewicz:
[0:38] Hallo.
Rebecca Lesiewicz:
[0:39] Ja, erzähl doch mal was zu deinem Einstieg, über dich und deinen Weg und deine Rolle bei der Heindl Internet AG.
Benjamin Böhm:
[0:47] Ja, also anfangen hat das Ganze mit der Heindl und mir 2000. Ich hatte da gerade mein Mathestudium fertig, bin mit Diplom da rausmarschiert, und hatte die Wahl zwischen Hewlett Packard und der Heindl Internet AG und bin dann hier bei Heindl eingestiegen, einfach aus Bequemlichkeit, weil das in Tübingen ist, wo ich auch wohne und ich muss da nicht irgendwo hinfahren und Schichtdienst machen oder sowas. Und bin damals als Programmierer eingestiegen und hatte eine, als Arbeitsprobe eine Webseite dabei, jetzt die für die Älteren unter uns, auf drei Disketten. Da der Bekannte von mir, der sich ums Webhosting kümmern wollte für meine Webseite, das irgendwie verschlafen hat und ich habe es nicht selber gemacht und so weiter. Ich hatte also auf drei kleinen Disketten meine Webseite dabei und dann hat der Chef hier, der Professor Heindl. Hat die Disketten in seinen Computer gesteckt und hat das Zeug rüber kopiert und es hat alles funktioniert. Und dann war er ganz angetan und hat gesagt, das wäre schon mal ein gutes Qualitätsmerkmal. Und dann hatte ich, also ich hatte von meinen Kunstwerken, die ich damals gemacht habe, die Webseite gebaut wie ein Buch. Es gab also ein Titelbild, dann konnte man draufklicken, dann klappte das auf, und dann gab es das Inhaltsverzeichnis und man konnte auf die einzelnen Punkte klicken. Es gab jede Seite, hatte noch so eine Ecke, wo man draufklicken konnte, um umzublättern. Also so war das aufgebaut wie ein Buch und ich hatte damit zufälligerweise genau ein Bild von ihm reproduziert, wo er sagte, Webseiten müssen sein wie ein Buch. Und damit hatte ich den Job. Obwohl ich nicht wahnsinnig viele Programmierkenntnisse mitgebracht hatte, aber das war so der Einstieg. Das war 2000.
Benjamin Böhm:
[2:34] Dann wurde es, was ich aber gar nicht so richtig mitbekommen habe, ganz schwierig. 2000, wir erinnern uns, da ist die Dotcom-Blase geplatzt, also genau in die Phase, wo die AG gegründet wurde und ich eingestellt wurde. November 2000 gab es genau diesen Boom, und die AG-Gründung war deswegen auch ein bisschen holperig, aber es gab schon Geldgeber, sodass man da über diese Jahre gekommen ist mit der AG.
René Lesiewicz:
[2:58] Genau.
Benjamin Böhm:
[3:00] 2004 bin ich dann zum Prokuristen ernannt worden und zwar deswegen Prokura, und auch Projektleitung übernommen, weil gemerkt wurde, die Kommunikation zwischen den Programmierern und dem Kunden fehlte so ein bisschen. Der Chef war immer unterwegs, akquirieren und Vorträge halten und Schulungen halten. Der war da sehr, sehr umtriebig und hat sein Wissen verbreitet. Und in-house saßen eben dann die Grafiker und die Programmierer und mussten erst machen, was an Aufträgen da war. Und da war die Problematik oft, was will denn der Kunde jetzt eigentlich? Naja, was will er schon wollen? Ich weiß schon, ich habe schon eine Ahnung, ich mache das jetzt mal. Ja, so. Und wenn der Kunde dann sagte, ich hätte aber lieber den Button in grün und der Programmierer sagte, geht nicht, dann war die Diskussion damit beendet und beide Seiten waren schmollig und dann kam ich und habe gemerkt, wie wäre es mit dem roten Button und dann sagte der Kunde, rot geht, kein Problem, finde ich super und der Programmierer sagt, ja klar, rot ist gar kein Problem. So ließen sich diese Knoten, die vorher unlösbar erschienen, dann lösten sich dann in Wohlgefallen auf. Also deswegen relativ schnell Projektleiter und Prokurist.
Benjamin Böhm:
[4:14] Und ich habe also immer schon Webseiten betreut, begleitet, dann mit den Kunden Gespräche geführt. Dann bin ich in Vertrieb eingestiegen, stärker, weil der Eduard Heindl einen Professur angenommen hat in Furtwangen. Der ist also jetzt Professor für E-Business-Technologie in Furtwangen und hat dann erst ein, dann zwei, dann drei, dann vier Tage in der Woche in Furtwangen gearbeitet, sodass ich dann auch in diese Geschäftsführertätigkeiten reingekommen bin.
Rebecca Lesiewicz:
[4:42] Okay, dann bist du einfach durch das, dass er andere Aufgaben hatte, immer mehr in diese Führungs- und Unternehmerrolle reingekommen, quasi.
Benjamin Böhm:
[4:50] Genau, richtig. Also Learning by Doing war das. Genau, also was vielleicht noch interessant war, ich habe 2005, 2006 ein Sabbatical gemacht. Da war ich mit meiner damaligen Freundin, jetzigen Frau, ein Jahr in Cambridge. Sie hat da für Cambridge University Press gearbeitet. Ich war so ein Jahr lang, als externer Berater und Unterstützer für Heindl tätig und habe aber da im Prinzip in England mir das gut gehen lassen. Und Englisch quatschen gelernt und meinen britischen Akzent gepflegt und so.
Rebecca Lesiewicz:
[5:24] Ja, spannend.
Benjamin Böhm:
[5:26] Genau. Vorstand bin ich seit 2013. Habe jetzt also auch schon im 13. Jahr Vorstand, 14. Jahr, und habe das, glaube ich, das Unternehmen ganz gut in ruhigere Fahrwasser gebracht. Das hat sich eigentlich ganz schön entwickelt in den letzten Jahren. Es gibt immer wieder auch so neue Themen, neue Technologien, die man sich natürlich dann angucken muss und anschaffen muss. Aber da zu entscheiden und da hilft natürlich auch die insgesamt 25 Jahre, die ich jetzt im Unternehmen und in der Branche bin, helfen natürlich da zu entscheiden, was ist jetzt so ein Hype und wo muss man sich ganz dringend intensiver mit beschäftigen, weil auch der baden-württembergische Mittelstand davon profitieren wird. Genau, aber das ist jetzt so die Ausgangslage. Wir sitzen also in Tübingen am nördlichen Rande der Altstadt. Wenn ich einen Stein aus dem Fenster werfe, landet der in der Altstadt. Wir selber haben ein relativ neues, modernes Bürogebäude hier. Jetzt gerade wichtig mit Klimaanlage.
Benjamin Böhm:
[6:39] Genau und das ist so das, wo wir jetzt hier sitzen schon seit vielen, vielen Jahren und haben uns, wenn ich da nochmal kurz einklinken darf, im Prinzip sehr früh darauf spezialisiert, diese damals bekloppte Idee umzusetzen, mit dem Internet kann man Geld verdienen. Also sowohl wir als Agentur, als eben auch unsere Kunden, die dann darüber Geschäfte generiert haben. Also das war am Anfang vollkommen verrückt. Wie soll das gehen? Also da gab es gar keine Idee, wie man das irgendwie geschäftsmäßig gewinnbringend, einsetzen soll, dieses Internet.
René Lesiewicz:
[7:15] Ja, das würde ich gerne mal aufgreifen mit der Frage, warum ist Marketing für Unternehmen eigentlich so wichtig und heute vielleicht sogar mehr denn je?
Benjamin Böhm:
[7:25] Ach, mehr denn je würde ich gar nicht sagen. Ich glaube, die Idee zu sagen, Marketing ist wichtig, war mit Sicherheit immer schon wichtig. Früher hieß es halt dann Werbung. Ja, der Fokus, wo aber auch inzwischen 2026 jetzt auch keiner mehr überrascht sein würde, ist also klare Verschiebung vom Papierenen, vom Offline-Marketing hin zum Digitalen, zum Online-Marketing. Da fände ich es immer noch ganz interessant, einfach zu hören, welche Gewichtung hat das denn in-house? Ja, also ich glaube, es gibt wenig Unternehmen, die jetzt noch Plakatwerbung machen oder Fernsehwerbung, wenn wir jetzt über B2B und Mittelstand reden, oder Radio oder eine Durchsage im Supermarkt oder was auch immer.
Rebecca Lesiewicz:
[8:14] Stimmt, das gab es alles.
Benjamin Böhm:
[8:16] Also es gibt es natürlich, gab es, gibt es auch immer noch. Wir haben einen Kunden, da bin ich durch den Supermarkt gelaufen, dann gab es eine Werbedurchsage von diesem Kunden. Das fand ich interessant.
Benjamin Böhm:
[8:27] Aber dieses Hingehen zum Online, ja, einfach diesem Trend zu folgen, wo holt man sich heute die Informationen? Die Informationen über potenzielle Unternehmen oder auch über Lösungen holt man sich eben im Internet. Ist ja klar. Das war bis vor ein paar Jahren noch ausschließlich Google. Das ist inzwischen zum immer spannender werdenden Anteil die KI. Aber es passiert halt online. Wenn jemand sagt ich brauche einen Klempner dann holt er nicht die gelben Seiten raus und guckt unter K sondern, das ist halt online und das hat sich inzwischen, das ist auch überhaupt keine Überraschung mehr, der Fokus auf Online Marketing ist ganz klar, und das ist natürlich klar wer keine Werbung macht den kennt man nicht und wen man nicht kennt den findet man auch nicht, wenn man eine Lösung braucht, Und damit ist eigentlich schon der Werbeteil erklärt.
Benjamin Böhm:
[9:24] Spannend ist eher, wann steigt man tief in Werbung ein? Steigt man tief in Werbung ein, wenn es einem schlecht geht oder steigt man tief in die Werbung ein, wenn es einem gut geht? Ja, von beides gibt es gute Gründe. Das sind einer der wenigen Momente, wo ich Vertrieb aufhöre, ist, wenn der Kunde sagt, ich kann gerade nicht, wir haben gerade eine Auftragsflaute, ich muss das Geld zusammenhalten. Und wenn man ihn drei Monate später zu Werbung fragt, wie läuft, sagt er, im Moment läuft es super, wir haben die Auftragsbücher voll, wir brauchen niemanden. Wir brauchen keine neuen Leads. Dann weiß ich, es gibt kein Szenario, wo man den irgendwie unterstützen kann durch Google Werbung oder durch eine vernünftige Webseite, Suchmaschinenoptimierung, KI-Optimierung oder ähnliches. Da gibt es kein Szenario. Und der braucht dann keine Werbung. Das ist doch gut. Spart er viel Geld, kann in Ruhe vor sich hin pottern, vielleicht trifft da mal jemand, vielleicht gibt es ein Netzwerk, vielleicht kennt man ihn am Markt, das ist ja alles vollkommen legitim. Gibt es tatsächlich so nischige Branchen, die einfach eine Monopolstellung haben oder eine Fastmonopolstellung. Man sagt, ja, alle, die uns brauchen, kennen uns. Und dann hofft man halt, dass die Geschäftsführung das in die nächste Generation weitergibt, dieses Wissen. Und so geht es dann hoffentlich bis immer. Ja, aber wenn man sich das anguckt, wie die Neukundenakquise funktioniert, das sind eben genau die üblichen Online-Kanäle, die man aus dem Online-Marketing kennt. Es ist nach wie vor Google, es sind Social Media inzwischen, wenn man in den Kundenbereich geht, sehr, sehr viel über Social Media. Im Mittelstand, B2B hauptsächlich, bin ich da sehr skeptisch, aber das ist vielleicht auch nur meine Einstellung, dass das im Mittelstand eine große Rolle spielt für Geschäftsanbahnung. Wir reden nicht über Azubis akquirieren, sondern bei Geschäftsanbahnung.
Rebecca Lesiewicz:
[11:21] Ja, Azubis ist nochmal ein anderes Feld, ja.
Benjamin Böhm:
[11:24] Andere Baustelle. Da braucht man dann lustige Videos, wo der Chef mit dem Bürostuhl durchs Büro geschoben wird und währenddessen jongliert oder was, keine Ahnung. Ja, sowas, Mitarbeiter suchen oder so, ist alles lustig, ja, schön und nett und lustig. Ich stelle mir dann immer die Frage, ob es über dieses Umfeld, in dem man sich ja da bewegt, nämlich lustige Sachen, unterhaltsam, privat, ob es da diesen Schritt ins geschäftliche, ins betriebliche Denken schafft. Das ist so die Frage, die ich mir stelle. Ja, aber ich weiß, dass es Akquise-Kampagnen gibt, die sehr gut funktionieren. Wir betreuen selber auch Akquise-Kampagnen für Kunden. Das funktioniert schön, ja. Vor allem an den Feiertagen. Tatsächlich, da denkt man dann drüber nach, würde ich mein Leben gerne verändern und brauche ich nicht doch mal einen neuen Job. Weihnachten und Ostern, ja.
René Lesiewicz:
[12:21] Ja, dann noch kurz zur Frage, wo liegen denn aktuell die Schwerpunkte bei dir im Unternehmen?
Benjamin Böhm:
[12:27] Wir haben zwei Schwerpunkte. Das eine ist tatsächlich das Webseiten-Bauen immer noch, Relaunches, also Webseiten neu denken, neu bauen. Der Fokus beim Neugestalten ist oft einfach ein Perspektivwechsel. Es ist ganz überraschend, wie viele Webseiten immer noch diese Unternehmensperspektive transportieren. Ganz brutal gesagt, herzlich willkommen bei, wir sind das super Unternehmen für, wir machen schon seit vielen Jahren das. Unsere Kunden finden, das steht dann eventuell auch noch mit drin, unsere Kunden finden toll, dass wir so nachhaltig und zuverlässig und präzise sind. Aber der Kunde wird nicht angesprochen.
Benjamin Böhm:
[13:13] In dem Moment liest das ja der potenzielle Kunde. Das ist das! Er muss angesprochen werden, in dem Moment. Ich würde jetzt nicht lieber Kunde Hallo schreiben, sondern man kann ja sagen, es gibt folgende Problematiken. Dann sagt der Kunde, ja stimmt, die habe ich. Und da haben wir folgende Lösung. Ah, interessant. Genau, ja, ich suche eine Lösung. Und wir würden es folgendermaßen machen. Rufen Sie doch mal an. Oder schreiben Sie eine E-Mail oder... Schick uns ein WhatsApp oder so. Und diese Drehung, die ist ganz oft noch nicht vollzogen. Das ist einer der Punkte, die wir machen. Wir machen immer so einen Workshop am Anfang und haben da ganz oft auch eine Prioritätensetzung, weil wir immer schon die Suchmaschine mitdenken. Suchmaschine, später KI, werde ich noch drüber reden, ein bisschen gleich, wenn wir noch Zeit haben. Diese Suchmaschinenoptimierung immer gleich mitdenken, denn je weiter vorne, in der Webseite, auf der Startseite und in der Navigation, umso relevanter werden diese Punkte von Google eingeschätzt, diese Themen, die man da transportiert. Und wenn vorne über uns und Historie und Philosophie und so steht, dann ist ja das das Wichtigste offensichtlich. So ist es. Genau, das ist das eine, das sind die Webseiten. Das zweite ist die Google-Werbung, ganz stark. Schon seit vielen, vielen Jahren, seit 2003, machen wir Google-Werbung. Damals als Beta-Tester angefangen für den deutschen Markt. Und zwar fast ausschließlich das, was kommt, als Anzeigen kommt, wenn man was eingibt in die Suche.
Benjamin Böhm:
[14:44] Das hat natürlich den super Charme, dass in dem Moment bin ich aktiv als Suchender. Ich will ja gerne eine Lösung haben, ich will Antworten haben, dieses Mindset zu sagen, jetzt würde ich gerne angequatscht werden, das gibt es sonst auf fast keinem anderen Kanal, vielleicht noch auf der Messe. Und das auszunutzen und in dem Moment da zu sein, wenn der Kunde eine Lösung will und ein Problem hat, das ist super und das funktioniert großartig.
Rebecca Lesiewicz:
[15:13] Und das sind B2B oder auch B2C-Bereiche?
Benjamin Böhm:
[15:16] Definitiv B2B, hauptsächlich tatsächlich. Heißt nicht, dass wir B2C nicht machen wollen, aber die B2Cler, die haben noch so ein bisschen, die wollen breiter gestreut auftreten.
Benjamin Böhm:
[15:28] Die brauchen auch Branding und die brauchen dann auch Impulskampagnen und die brauchen auch mal.
Benjamin Böhm:
[15:33] Und wir sind eher so ein bisschen der technische Dienstleister, weil mein Chef Physiker ist und ich bin Mathematiker und wir kommen von der technischen Seite, vielleicht weil wir Techniker sind, dass das technische Aspekt im Vordergrund steht. Ein drittes Thema, was uns natürlich aktuell stark beschäftigt, ist natürlich KI. Und zwar für uns der Aspekt, dass dieses Da-sein, wenn der Kunde sucht, gilt natürlich in gleichem Maße auch für alle KI-Suchen. Ja, ob das jetzt ChatGPT ist oder Gemini, Perplexity oder Claude oder wie sie alle heißen.
Benjamin Böhm:
[16:14] Da zu sein mit Antworten, wenn der Kunde fragt, ist natürlich genau das gleiche Vorgehen wie bei Google selber, nur eben über andere Kanäle. Und da muss man ein bisschen anders denken, da muss man ein bisschen anders Informationen bereitstellen. Man hat ein bisschen andere Faktoren, warum man von den KIs als trustworthy angesehen wird, als zuverlässig und guter Antwortgeber und so weiter. Und das ist ein Thema, da sind wir gerade sehr stark dran, das aufzubauen. Das ist noch nicht mal so weit, dass wir es auf der Webseite haben. Da sind wir jetzt gerade dran. Das ist also ein Thema, was uns intern sehr stark beschäftigt. Natürlich abgesehen von welchen Tools benutzen wir selber schon in-house und so weiter. Aber das ist mit Sicherheit ein Game Changer, sage ich nicht so leichtfertig. Also die neuen Voice Search und die neue Super 3D-Brille mit Interaktiven, das halte ich alles für keine Zeitenwende, aber KI ist eine. Das würde ich jetzt mal ganz frech sagen.
René Lesiewicz:
[17:18] Ja, das ist sehr interessant.
Rebecca Lesiewicz:
[17:22] Da schließt sich auch die nächste Frage eigentlich ganz gut an, weil das sicherlich viele Dinge da auch mit reinspielen, gerade im Zeitalter von KI und was alles kommt. Also was sind denn aus deiner Sicht die aktuellen Herausforderungen für dich selbst als Unternehmer, aber auch insgesamt für den Mittelstand?
Benjamin Böhm:
[17:40] Also für mich selber ist, ein wichtiger Aspekt, den ich in Richtung KI jetzt einfach jedem mal mitgeben will, ist ein Vertrauen mitzubringen. Ein Vertrauen in die Technologie, ein Vertrauen in die Ergebnisse, die da rauskommen, trotz aller Halluzinationen, die da aktuell noch passieren. Ein Vertrauen darin, dass das ein Werkzeug ist, das sehr, sehr gut funktioniert. Man muss nur noch rausfinden, wofür. Und das ist eine Phase, da sind wir jetzt gerade. Es gibt ganz, ganz super viele AI-Anbieter, KI-Anbieter und die wenigstens können ganz konkret sagen, wofür sie jetzt eine Lösung anbieten, sondern nur, wir können alles machen. Aber was, und das ist die Frage, die auch sich der Mittelstand stellen muss, welche Probleme, welche Prozesse würde ich denn gerne, oder wo ahne ich, da gibt es Automatisierungsmöglichkeiten, wo ahne ich, da gibt es vielleicht Schritte, die automatisierbarer sind oder über KI lösbarer sind. Und das ist, glaube ich, die Hauptaufgabe jetzt, zu verstehen, ihr habt ein tolles Werkzeug, super Werkzeug, man weiß nicht genau, wofür ich es brauche, aber ich habe es mal gekauft, das kriegt man geschenkt. Und jetzt zu überlegen, was mache ich damit? Und das ist eine Aufgabe, die habe ich natürlich auch. Welcher Bereich lässt sich unterstützen durch KI? Nicht ersetzen. Kein Mitarbeiter, ich werde kein Mitarbeiter durch KI ersetzen. Wir brauchen immer jemanden, der mit Know-how und Wissen aus 10, 20 Jahren Erfahrung kontrolliert, was da rauskommt. Zumindest mal jetzt die nächsten Jahre noch, behaupte ich jetzt. Aber was kann man unterstützen und das gerne nutzen und ausprobieren, spielen? Jeder, der KI-Experte sich selber nennt. Man muss mit sehr viel Vorsicht genießen. Es gibt so viel, es ändert sich so schnell. Neugierig bleiben, das ist so, glaube ich, der wichtige Punkt.
Rebecca Lesiewicz:
[19:45] Ja, also ich denke, es ist super wichtig, dass man sich darüber Gedanken macht im Mittelstand und sich dort auch wirklich überlegt, wo gibt es Ansatzpunkte. Und wie du gesagt hast, also ich denke, wichtig ist, welche Prozesse und wie ist der Stand auch der Prozesse, also wie ist der Reifegrad. Also das sollte man sich wirklich genau angucken und da auch Zeit investieren, wirklich zu klassifizieren, was gibt es denn für mögliche Use Cases, wo es überhaupt Sinn macht und wo muss ich vielleicht auch erst noch an meiner Prozessreife arbeiten.
Benjamin Böhm:
[20:13] Ja, also das ist ein wichtiger Punkt. Man muss auch aufpassen, das ist so ein bisschen die Tendenz, die ich auch habe, ein Stück weit immer erst zu versuchen, alles in der Tiefe so zu durchdringen, dass man ja nicht falsch abbiegt. Das ist vielleicht hier gar nicht der richtige Ansatz, sondern dieses spielerische Mal ausprobieren, einfach mal einen Prompt raushauen, mal gucken, immer Datenschutz im Hintergrund behalten und so. Aber einfach mal ausprobieren. Und wenn es nicht klappt, das meine ich mit Vertrauen. Sagen, okay, war der Prompt nicht gut genug. Dann hänge ich nochmal einen dran. Und ich würde sogar so weit gehen, dass ich es in den ersten Schritten auf den Prompt schiebe.
Rebecca Lesiewicz:
[20:54] Ja, verstehe, was du meinst.
Benjamin Böhm:
[20:57] Deswegen nicht entmutigen lassen. Und dranbleiben. Das ist der Punkt.
Rebecca Lesiewicz:
[21:03] Ja, spannend. Da könnte man jetzt wahrscheinlich noch sehr lang drüber sprechen. Deswegen wollte ich dich nochmal fragen am Ende. Was gibt es denn was, was du unseren Zuhörern am Ende noch mitgeben möchtest?
Benjamin Böhm:
[21:15] Das habe ich eben fast schon gesagt. Ich glaube, der wichtigste Punkt aktuell, ist tatsächlich neben den ganzen Krisen, die es gibt und den ganzen Unsicherheiten und so weiter, ist einfach neugierig bleiben, Sachen durchaus auch nochmal ausprobieren, hinterfragen, sich mit den eigenen Leuten, mit den Mitarbeitern. Das ist unwahrscheinlich in jedem Unternehmen, unwahrscheinlich viel Know-how, das muss nicht der Chef alleine entscheiden. Das ist bei uns auch ein Austausch mit meinen Kollegen. Immer dranbleiben, neugierig bleiben, im Austausch bleiben, mit den Leuten. Hören, wie würdest du das machen? Oder tu doch mal so, als wärst du der und der. Wie würdest du das Problem lösen? oder also da einfach, sich selber auch vor Impulsen nicht scheuen, die aus dem Unternehmen kommen oder von außen.
Rebecca Lesiewicz:
[22:08] Ja, vielen Dank. Vielen Dank, Benjamin, für das offene Gespräch, für deine Einblicke in dein Unternehmertum, in deine Verantwortung und den Mittelstand hier in der Region. Herzlichen Dank.
René Lesiewicz:
[22:20] Danke auch für deine Zeit. Dankeschön.
Benjamin Böhm:
[22:22] Sehr, sehr gerne. Vielen Dank. Tschüss.
René Lesiewicz:
[22:25] Ciao.
Rebecca Lesiewicz:
[22:26] Ciao.
Rebecca Lesiewicz:
[22:28] Das war Lesiewicz spricht mit, der Podcast für den Mittelstand. Wenn dir diese Folge gefallen hat, freuen wir uns, wenn du den Podcast abonnierst und uns weiterempfehlst. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
[Transkript erstellt mit auphonic]