Web-Kolumne: Strategisches Risiko Suchmaschinen!
Wir haben sie lieben gelernt, erst Lycos, als es noch ein System an der Universität Pittsburgh war, dann die Sensation Altavista, die Ingenieure von Digital Equipment fast aus Versehen bauten, taufrisch, ohne Werbung, mit allen Informationen im Web, und im Moment (2003-01-29), Google als schnellste Suchmaschine.
Zufällige Entwicklung
Verfolgt man diese kurze Geschichte, erscheint das Entstehen von guten Suchmaschinen ein völlig zufälliger Prozess, bisher hat jedenfalls kein großes Unternehmen das Ziel verfolgt, die beste Suchmaschinen zu bauen. Erstaunlicherweise ist in diesem Wettbewerb weder Microsoft noch IBM hervorgetreten und, fast selbstverständlich, kein deutsches Unternehmen. Die Gründe mögen an diesem jungen Produktsegment liegen, aber auch an der Schwierigkeit die entsprechende Leistung zu verrechnen.
Kostenvorteil durch Suchresultate
Auf der anderen Seite des Internets, bei den Anwendern, hat sich die Nutzung von Suchmaschinen etabliert. Nutzt auch nur jeder der fünfhundert Millionen Webuser täglich für fünf Minuten eine Suchmaschine und spart durch ein gutes Suchresultat einen Euro, so ersparen die Suchmaschinen jährlich fast 200 Milliarden Euro, ein Betrag, der die Kosten der Suchmaschinensysteme um mehrere Größenordnungen übersteigt.
Technologieförderung ist notwendig
Noch viel spannender ist aber eine andere Frage, was passiert in einer Volkswirtschaft wie der unsrigen, die vielleicht jährlich etwa 25 Milliarden durch gute Suchergebnisse einspart, wenn die Resultate schlechter werden. Man kann sich leicht ein Szenario vorstellen, in dem der Staat, in dem die Suchmaschinen arbeiten, kein Interesse hat, uns in dieser Frage zu subventionieren. Der Schaden würde die Höhe des Verteidigungshaushalts übertreffen und damit wirklich in strategischen Größenordnungen liegen. Damit ein Land nicht erpressbar ist, sollte es in Zukunft vielleicht eher den Suchmaschinenaufbau als den Steinkohleabbau unterstützen.
Siehe auch: Suchmaschinen, die neuen Zensoren?
Eduard Heindl
30. Januar 2003
