Web-Kolumne: Menue, Wort oder Bild?
Surft man durchs Internet, findet man Seiten, in denen die Auswahl in Worte gefasst ist und solche, wo Bilder zum Ziel führen. Warum diese zwei Welten? Am Anfang war das Wort bei der Navigation durch elektronische Hypertextsysteme das einzige Navigationselement. Erst mit dem Aufkommen der technisch aufwendigeren grafischen Oberflächen bot sich dem Navigationsdesigner die Chance, auch Bilder zu verwenden. Und doch nutzen nicht alle diese neuen technischen Möglichkeiten. Gibt es hier einen tieferen Grund, der nicht nur bei technischen Aspekten wie Übertragungszeit und Suchmaschinen-Platzierung zu suchen ist?
Ich denke schon. Geht man in ein Restaurant und sucht das Hauptgericht, bietet die Karte ein Menue in Worten. Hat man bestellt, der Ober den Hauptgang serviert und ist der Hunger gestillt, kommt man zum Nachtisch. Und jetzt die Überraschung: auf der Eiskarte sind Abbildungen von Eiskugeln in verschiedenster Formation. Warum plötzlich dieser Medienwandel? Beim Aussuchen des Hauptgangs war Effizienz entscheidend, und Worte sind die effizienteste Art, Informationen zu vermitteln. Der Nachtisch wird mit Muße und Ruhe ausgesucht, im Prinzip ist er fast überflüssig. Jetzt hat das Bild die besseren Karten und es animiert uns, doch noch ein Sahnehäubchen dazuzunehmen.
Im Internet heißt das für die Navigation: Dort, wo es auf Effizienz ankommt, sind Worte die beste Art, schnell zum Ziel zu finden. Dass sie daneben auch noch mit schneller Ladezeit und leichterer Auffindbarkeit durch Suchmaschinen einhergehen, ist ein erfreulicher Begleiteffekt dieses Konzepts. Bietet man hingegen Spiel und Vergnügen, das ohne Zeitdruck genossen werden will, sind Bilder sowohl die richtige Wahl, um den Benutzer zu fesseln als auch das richtige Element, um ihm bei der Navigation behilflich zu sein.
Und dann in Ruhe weitersurfen...
Prof. Dr. Eduard Heindl
Tübingen, den 2. Februar 2001
