Webkolumne: Gibt es in 10 Jahren keine Bücher mehr?
Solange Bücher geschrieben werden gibt es sie. Die Buchmesse in Frankfurt hat überquellende Hallen, der Umsatz der Buchhändler wächst, und die Welt ist in Ordnung...
Wäre da nicht das Internet und sein ungebrochenes Wachstum - jedes Jahr eine Verdoppelung der Teilnehmer, der Seiten und der Informationen.
Noch kann das Internet kein Buch ersetzen, richtig.
Am Horizont zeigen sich indessen Techniken, die den gleichen Lesekomfort bieten.
Und es gibt Zahlen. Die Bedeutung des Buches kann man an seiner Reflektion in den Medien verfolgen.
Wie oft taucht das Wort "Buch" oder "Taschenbuch" in den 550.000 Artikeln der TAZ in den letzten 10 Jahren auf?

Wenn man die Zahlen logarithmisch aufträgt und einen quadratischen Trend berechnet, sieht man eindeutig: Das Buch hat seinen Zenit überschritten. Seit langem ist bekannt, dass so der Niedergang aller Systeme von der Dampfmaschine bis zum Artensterben verläuft.
Bleibt nur noch die Frage: Wie viele Bücher werden in 10 Jahren übrig sein? Sicher noch einige Exemplare - es gibt ja auch noch Schallplatten!
Hinweis: Inzwischen habe ich festgestellt, dass es doch nicht so schlimm kommen wird, aber der Effekt neuer Medien bleibt spannend.
Eduard Heindl
Tübingen, den 10. November 1998
