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Web-Kolumne: Die Informationen heben ab

Welchen Einfluß hat das elektronische Speichern von 1.000.000.000 Dokumenten im Internet auf die Fähigkeiten von Computern?

Es gibt drei Formen in denen Informationen heute vorliegen, im Kopf, auf Papier, im Internet. Man mag einwenden, daß es doch auch noch andere Formen gibt, diese lassen sich aber strukturell immer auf eine der drei oben genannten Formen bringen. So ist ein Musikstück auf CD dem Papier zuzuordnen, wird es angehört, existiert es auch im Kopf, und stellt es jemand als MP3 ins Web, so ist es auch im Internet anwesend. Diese Einordnung ist von grundlegender Natur. Zuerst war sicher der Kopf die einzige Form, in der Information die Primärexistenz verlassen hat und ein reproduzierbares Abbild im Nervensystem hinterlassen hat. Die Aufnahme der Information mit den Sinnen spielt eine wesentliche Rolle und ist umfangreich problematisiert worden. Auch die Weiterverarbeitung und Wiedergabe durch Wort und Handeln glaubt man zu verstehen oder zumindest zu kennen.

Die große Kulturleistung, die Wiedergabe physisch durch die Schrift aufzuzeichen stellt einen ersten Markstein auf dem Weg zu dem jetzt folgenden und noch viel aufregenderen dar, der hier beschrieben wird. Der große Unterschied zwischen Papier und Kopf liegt in der Verarbeitung, in der Veränderung der Information. Texte kann man technisch vervielfältigen, aber der Kopierer kann die Texte nicht verstehen oder auch nur die einfachsten sinnvollen Veränderungen vornehmen. Das erscheint uns zwangsläufig und ist damit den meisten weder bewußt, noch eine Debatte wert. Neuere Geräte wie ein PC vermögen an unseren Texten zwar einfache Änderungen vorzunehmen, die beizeiten auch mal sinnvoll sind, wie die Entfernung von Tippfehlern, aber schon das hochwertige Übersetzen in eine andere Sprache scheint die Maschine vor unüberbrückbare Probleme zu stellen.

Worin liegt das Kerndefizit?
Zunächst möchte man meinen, es ist schlicht die schlechte Programmierung, die uns bereits hinlänglich bei der Nutzung elektronischer Geräte begegnet. Das kann ich so nicht glauben, wenn ich sehe, daß in vielen Feldern geradezu unglaublich klug wirkende Programme im Einsatz sind, man denke nur an Schachcomputer oder die elektronische Navigation im Straßenverkehr. Der zweite Punkt könnte in der mangelnden Rechenleistung der Systeme liegen. Hier hat sich aber in den letzten 30 Jahren, solange diskutiert man ernsthaft die Möglichkeit einer technischen Umsetzung der künstlichen Intelligenz, einiges getan. Alle 18 Monate hat sich die Leistung der Rechner verdoppelt und ist inzwischen bei einigen Terraflops angekommen. Das sind tausend Milliarden Rechenoperationen mit Fließkommazahlen in der Sekunde. Auch wenn man unterstellt, daß das menschliche Gehirn etwa 100 Milliarden Neuronen besitzt, so mag ich anzweifeln, daß jedes Neuron pro Sekunde das Äquivalent von 10 Fließkommarechnungen durchführt.

Was fehlt ist Futter!

Geistiges Futter für die Automaten, mundgerecht aufbereitet und verdaulich. Und hier findet im Moment die Revolution statt, die völlig im Hype um Wap, UMTS und B2B-Kommunikation im Internet untergeht. Jede Sekunde werden ca. 30 neue Seiten ins Internet gestellt. Seiten auf denen digital aufbereitete Information für jederman, jederfrau und jedermaschine zugänglich aufbereitet ist. Die Dokumente bestehen aus Texten und Bildern und bilden unsere Welt mit all ihren Facetten ab. Damit ist aber erstmal die Information nicht nur statisch auf Papier gebunden und nur für Menschen zugänglich abgelegt, sondern so abgespeichert, daß sie einer maschinellen Weiterverarbeitung zugänglich ist.

Die Folge kann nur sein, daß dies auch geschieht. Dabei sind die Suchmaschinen die treibende Kraft. Auf ihnen wird bereits heute oft ein vollständiges "Backup" des Webs bereitgehalten und mit Datenbanken strukturiert. Der Wettlauf zwischen Suchmaschinen, Usern und Webdesignern ist in vollen Gang. Er wird sicher von der Suchmaschinen gewonnen, die am besten die Wünsche der Besucher versteht und das Web am besten kennt. Doch wie nennt man die Leistung, wenn jemand Fragen klug beantwortet? Intelligenz!

Und was denken Sie? Ich freue mich wie immer auf Rückmeldungen. eduard@dont-want-spam.heindl.de

Spannend ist auch, wie das "neuronale Netz" Web seine Synapsen verstärkt.

Prof. Dr. Eduard Heindl
Tübingen, den 25. September 2000 


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