Web-Kolumne: Die Angst des Webmasters vor der Statistik
Politiker schauen immer in den Spiegel der Umfrageergebnisse, Showmaster lugen auf die Quote, Redakteure auf die Auflage und Webmaster sollten in die Logfiles schauen.
Kein Medium bietet derart präzise und direkt die Möglichkeit, die eigene Leistung zu beurteilen wie das Internet. Unerbittlich wird jeder Fileabruf im Logfile aufgezeichnet und steht für die detaillierte Statistik zur Verfügung. Da Internetauftritte Kosten von vielen tausend Euro verursachen, könnte man vermuten, diese Quelle der Investitionskontrolle würde höchstes Interesse hervorrufen. Nicht die Spur! Sehr viele Unternehmer wissen auch nicht die einfachsten Kenngrößen ihrer Website spontan zu nennen.
Selbst der Versuch der Aufklärung, ich habe für das größte neutrale Schulungsunternehmen Deutschlands einen Kurs zur Logfileanalyse geschrieben, wird bisher ignoriert. Ähnliches kann man von Kursen zu Javascript, Flash oder anderen multimedialen Moden im Internet nicht erzählen.
Statistik ist kompliziert
Der Grund für dieses Desinteresse ist schwer zu ergründen. Auf der einen Seite florieren Seitenzähler auf privaten Homepages und manche zahlen sogar hohe Gebühren für eine offizielle Zählung durch den IVW.
Andererseits ist eine exakte und aussagekräftige Analyse nicht einfach. Möglicherweise ist es die Angst vor einer scheinbar unbeeinflussbaren Kraft, die unerwartet hohe, dann wieder ernüchternd niedrige Werte bringt. Tatsächlich haben die Besucherzahlen auf einer Website etwas von der Unbestimmtheit des Wetters, an sehr schönen Samstagen kann plötzlich die Besucherzahl in den Keller gehen, an einem Regentag Höchstwerte erreichen.
Langfristig sind die Zahlen jedoch zuverlässig und einige Kenngrößen unabhängig von solchen externen Details. Gute Seiten haben kontinuierliche, häufig exponentielle Zuwächse, schlechte bleiben konstant unbeachtet.
Hintergründe werden verdrängt
Ungeheuer schwer ist es jedoch, hinter dem Einzelereignis ein System zu erkennen, das auf die eigenen Leistung zurückschließen lässt.
Möglicherweise beruht darauf der "Aberglaube", da könne man halt nichts machen. Der Webmaster kann dieser Frage genau so aus dem Weg gehen, wie manche den Kontostand lieber nicht betrachten oder keine Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Mit dieser Haltung, Augen zu und durchs Internet wird allerdings eine Chance vergeben, die Chance zu lernen, wo die eigenen Fehler liegen und es besser zu machen. Schade um das schöne Geld für den Relaunch, der sicher, wie das Amen in der Kirche, kommt.
Beispiel einer nützlichen Statistik: gute Websites
Eduard Heindl
15.Sept. 02
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