Webkolumne: Coevolution zwischen Suchmaschine und Webseite
Ich erinnere mich noch an das Jahr 1994, als ich alle Stadtseiten in Deutschland kannte und es eine CD gab, auf der fast alle deutschen Internetseiten abrufbar waren. Damit die eigenen Seiten bekannt wurden, trug man die Serveradresse auf eine lange Liste der Berliner Universität ein.
Und dann kamen die ersten Suchmaschinen wie Lycos, ein Experiment an der Uni Pittsburgh. Deren Datenbestand wuchs extrem schnell, bis zu 25% pro Monat Anfang 1995.
Alle Suchmaschinen haben inzwischen Kriterien, nach denen sie die Relevanz von Stichworten gewichten.
So scheinen der Domainname, der Titel und die Überschrift bedeutend zu sein.
Hat sich ein solcher Zusammenhang erst herumgesprochen, beginnen die Autoren, ihre Seiten dahingehend zu optimieren. Plötzlich hat eine Seite, die vorher ohne Titel im Netz stand, einen Titel und wenig später einen Titel aus Dutzenden von Stichworten. Da dies aber alle so machten, musste die Suchmaschine andere Kriterien finden.
Passen die Stichworte zum Text und wie gut?
Wieder wurden Worte gezählt, Überschriften ausgewertet, Metatags gesichtet und Links überprüft. Die Autoren feilten inzwischen an Doorwaypages, Webseiten auf einem Server mit verschiedenen Stichwortclustern.
Inzwischen werden Millionen geboten, um auf der Startseite einer Suchmaschine prominent vertreten zu sein.
Suchmaschinen müssten lernen, wirklich relevante Information von unwichtigen Webseiten zu unterscheiden. Dazu benötigten die Maschinen ein Verständnis für Inhalt, das bisher nur Menschen aufbringen können. Da die menschliche Arbeitskraft unbezahlbar erscheint, bleibt nur die Verbesserung der Suchmaschinensoftware.
Damit die Seite gefunden wird gibt es natürlich sehr einfache Regeln, damit die Besucher bleiben auch.
Eduard Heindl
Tübingen, den 15. Dezember 1998
